Das Gefühl von Realismus

Er nennt seine Fotografie Traumfotografie. Felix Hernandez zeigt nicht das, was draußen in der Welt existiert, sondern das, was in ihm existiert. Schon als Kind hat er zahlreiche Stunden im Kinderzimmer mit seinen Spielsachen verbracht und dabei immer versucht eine individuell passende Welt zu gestalten. Die passende Traumwelt, in der das neue Spielzeugauto oder die Action Figur existieren könnte.

von Joana Kritiotis

Schnappschuss 60 - Felix Hernandez - Das Gefühl von Realismus

Felix nutzt Modellautos oder Figuren, die er so arrangiert, dass sie spektakulär und real wirken

Der Look der Bilder ist durch seine Bearbeitung sehr realistisch

„Als Erwachsener realisierte ich, dass ich nie aufgehört habe zu spielen”, sagt der mexikanische
Fotograf. Sein Spieltrieb besteht auch heute noch, nur der einzige Unterschied ist, dass er eine Kamera in seinen Händen hält. Dank der digitalen Fotografie und den Bearbeitungsmöglichkeiten
kann er nun die Bilder verwirklichen, die er als Kind in seinem Kopf kreierte. Dafür nutzt er Modellautos oder Figuren, die er so arrangiert, dass sie spektakulär und real wirken oder so wie in seiner Vorstellung.

Maßstabsgetreue Modelle zu fotografieren ist seiner Meinung nach nicht viel anders als andere Disziplinen in der Fotografie, jedoch gibt es ein paar Besonderheiten. Man muss groß denken, aber gleichzeitig klein. Die gestalterischen Möglichkeiten sind endlos und es gibt keine genauen Vorgaben. Man muss einfach die eigene Vorstellungskraft nutzen. Für Felix ist der gelungene Maßstab eins der wichtigsten Elemente.

Felix nutzt viele kleine und einfache Tricks, die durch simples Ausprobieren die perfekten Ergebnisse liefern

Das Modellauto, so wie es jeder kennt

Felix bearbeitet die realen Modelle und nutzt alle digitalen und analogen Möglichkeiten

Wenn das Gefühl des Realismus das Ziel bei der Modellfotografie ist, muss die Kamera noch näher an das Motiv heran. Ein Makroobjektiv ist in diesem Fall leider keine große Hilfe, da es kaum Tiefenschärfe bietet. Der Fokus bei einer Makroaufnahme liegt auf einer kleineren Fläche des Motivs und das Gesamtbild bekommt nicht die “reale” Wirkung, die gewünscht ist. Das menschliche Gehirn braucht die Tiefenschärfe bei diesem Maßstab genau wie in der Realität, um getäuscht zu werden. Es soll so wirken als ob es in normaler Größe fotografiert wurde. Hierfür kann man auch Focus Stacking nutzen, d.h. mehrere Bilder in den unterschiedlichen Schärfeebenen aufnehmen und anschließend zusammenfügen.

Zum Thema Licht verrät Felix Hernandez, dass es genauso wie bei der klassischen Produktfotografie in einem Studio sein kann. Es darf nur nicht vergessen werden kleiner zu denken. Wenn die gleiche Octabox wie bei einem Portrait-Shooting genutzt wird, ist das Licht nicht das gleiche, welches bei dem kleinen Motiv landet. Es ist viel weicher. Bei seinen Mini-Shootings nutzt er mehrere Studioblitze, Lichtmalerei und auch natürliches Tageslicht.

Für Felix ist der gelungene Maßstab eins der wichtigsten Elemente

 

Auch wenn er die spätere digitale Bearbeitung beherrscht und ihn diese fasziniert, hat er mehr
Spaß darin so viel wie möglich vorab und mit der Kamera umzusetzen, bevor er seine Arbeiten am
Rechner editiert und finalisiert. Das gibt den Aufnahmen den realen Look. Wenn zum Beispiel ein
Modellauto im Schnee platziert sein soll, nutzt er Weizenmehl. Für Wüsten nimmt er Maisstärke.
Bei atmosphärischen Aufnahmen hält er einfach eine angezündete Zigarette neben das Motiv um Nebel in das Bild zu bringen. „Das funktioniert erstaunlich gut und ist sehr praktisch dafür, auch wenn man Nichtraucher ist“. Felix nutzt viele kleine und einfache Tricks, die durch simples
Ausprobieren die perfekten Ergebnisse liefern. Die meisten Substanzen gibt es in jedem Haushalt.
Ein genaues Rezept oder Vorgehen gibt es nicht – Kreativität ist gefragt!

Der letzte Schritt ist die Nachbearbeitung und gibt jedem Foto den letzten Kick. In dieser Phase können Elemente im Hintergrund hinzugefügt, Effekte eingebaut und Farben verbessert werden. Im Prinzip alles, was für eine Kamera zu komplex ist, aber für die richtige Stimmung sorgt.
„Letztendlich ist die Fotografie für mich ein Spiel mit verschiedenen Techniken und Disziplinen. Der technische Aspekt kann ‚einfach‘ erlernt werden, doch der schwierige Teil ist in unseren Köpfen und unserem Inneren versteckt. Mann muss kindisch bleiben, neugierig … Es geht nur darum, dass man wieder spielen lernt”, sagt der Künstler.

weitere Infos und mehr Werke des Künstlers:


HERNANDEZ DREAMPHOGRAPHY
Felix Hernandez


hernandezdreamphography.com
facebook.com/HernandezDreamphography
behance.net/HDreamphography
youtube.com/HernandezDreamphography

Die gestalterischen Möglichkeiten von Felix sind endlos und es gibt keine genauen Vorgaben


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Das Foto Koch Magazin ist modern kreativ gestaltet und ist vom Design und inhaltlich relativ einzigartig.

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