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Foto von Michael Geyer

Schnappschuss: Extreme Conditions von Nicolai Deutsch

Lesezeit: 10 Minuten - 24. November 2020 - von Nicolai Deutsch

Bei -30° C unter zwei Meter dickem Eis im tiefsten Süßwassersee der Welt, dem Baikalsee in Russland, die Unterwasserwelt zu entdecken oder bei tropischen Temperaturen auf den Bahamas den Haien auf der Spur sein – beides riecht für mich nach Abenteuer, bei denen spektakuläre Aufnahmen garantiert sind. Meine Neugier nach dem Unbekannten und meine Berufung als Kameramann bringen mich an die spannendsten Orte der Welt.

Nicolais Weg zur Fotografie

Bevor ich einen Blick hinter die Kulissen meines Alltags gewähre, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Nicolai Deutsch, 27 Jahre alt, und habe mit einer gehörigen Portion Glück und, noch wichtiger, absoluter Leidenschaft mein Hobby zum Beruf machen können. Ich bin seit neun Jahren selbstständig und arbeite unter anderem als (Unterwasser-) Kameramann, Cutter, Producer. Würde man mich fragen, wie ich meine Arbeit mit nur einem Wort beschreiben könnte, wäre „Filmemacher“ wohl der treffendste Begriff.

Meine Liebe zum Filmen entdeckte ich bereits in jungen Jahren über Heim-Action-Videos beim Ski-fahren. Mit der Mini-DV-Kamera meiner Eltern in der Hand und der Vision, die coolsten Sprünge über Felsen und Kicker zu filmen, war mein Herz sofort Feuer und Flamme. Inspiriert von Freestyle-Ski-Videos und später durch die ersten Youtube-Videos, habe ich schon bald meine Leidenschaft für das Bewegtbild gefunden.

Das allein reicht natürlich nicht aus für eine Karriere als Filmemacher. Weitere Videos sind durch mein zweites Hobby entstanden: das Tauchen. Schon als ich zehn Jahre alt war, machte ich meinen Open-Water-Tauchschein und trieb mich in den Weltmeeren mit der günstigsten Unterwasser-Einwegkamera der 90er-Jahre herum. Da hat mich die Lust am Fotografieren so richtig gepackt, und seitdem erneuere ich meine Kameraausrüstung ziemlich oft. Heute dienen diese Fotos natürlich eher als Erinnerung, denn einen Preis würde ich damit wohl nicht bekommen.

Begriffe wie Blende, ISO und Verschlusszeit waren mir lange Zeit ein Fremdwort. Erst im zarten Alter von 16 Jahren lernte ich diese bei einem eineinhalbjährigen Schüleraustausch in Neuseeland im Fach „Photography“ näher kennen. Diese Zeit als Jugendlicher in einem neuen Land war nicht nur abenteuerlich, sondern ich konnte auch die alte Schule der analogen Fotografiekunst mit der Canon AE-1 meines Onkels erkunden.

Nico bei den den Arbeiten für den Film „Sharks and Humans – A deadly combination“
Foto von Martin Steinmeier
Nico Deutsch am Baikalsee
Foto von Alfred Minaar

Von Fotografie zu Videografie

Heute sehe und erkenne ich den Unterschied von Foto- und Videografie deutlich besser, und ich bin nach wie vor überglücklich mit meiner damaligen Entscheidung, in Richtung Bewegtbild zu gehen. Auch wenn viele Fotografen sagen, „das ist mir alles viel zu kompliziert“, denke ich oft genau anders. Selbstverständlich mache ich auch sehr gerne Fotos, und mein Auge ist dafür ebenso bestens trainiert, doch ist es nach meinem Empfinden etwas völlig anderes, sich „professioneller Fotograf“ zu nennen. Der größte und herausforderndste Aspekt als Fotograf ist in meinen Augen, Emotionen, Handlung und Produkt in einem Foto auf den Punkt zu bringen, damit der Kunde glücklich ist.
Ich persönlich finde es viel einfacher, eine Handlung in einem Video mit mehreren Einstellungen zu erzählen. Auch bei der Nachbearbeitung werden der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Man kann Inhalte nach Belieben drehen und anschließend zum Beispiel über die Tonebene die Emotionen vermitteln. Abgesehen davon kann ich Bewegungen und Bewegungsabläufe viel einfacher festhalten.

Für mich liegen Foto- und Videografie sehr nah beieinander und könnten zur selben Zeit doch nicht unterschiedlicher sein. Ich denke jedoch, dass es Fotografen leichter haben, in die professionelle Videobranche zu rutschen, als anders herum. Jeder Filmemacher sollte natürlich in der Lage sein, gute Fotos zu schießen, jedoch scheint es schwerer, Fuß in der professionellen Fotografie zu fassen.

Wenn ich filme oder Videos mache, kommt es im-mer sehr stark darauf an, für wen das Video am Ende ist: ein eigenes Projekt oder für einen Kunden? Mein Ziel ist es immer, dass das Video am Ende mir gefällt, egal ob spannende oder langweilige Inhalte auf mich zukommen.  Meistens gefallen dem Kunden die Videos dann ebenfalls. Somit habe ich auch bei weniger interessanten Aufträgen immer den Ansporn, das Beste aus mir herauszuholen. Damit geht Hand in Hand, dass ich oft mehr Herzblut als nötig in ein Projekt stecke – was ich aber natürlich gerne mache.

Dies bringt mich zu einem weiteren Punkt: dem Portfolio. Ich wurde tatsächlich während meines ganzen professionellen Werdegangs noch nie nach meinem Abschlusszeugnis oder Abschluss-projekt gefragt. Es zählt immer das letzte bzw. die letzten Projekte. So ist es für mich von höchster Bedeutung, Projekte vorweisen zu können, mit de-nen ich zufrieden bin und hinter denen ich auch wirklich stehe. Das ist nicht immer einfach. Gerade zu Beginn meiner Karriere hat mich mein Perfek-tionismus oft von innen zerfressen. Ich empfand keines meiner Projekte als gut genug, um sie Teil meiner Website werden zu lassen. Als Freelancer kann man sich leider nicht auf einem drei Jahre alten Projekt ausruhen, man muss sich ständig an neue Projekte wagen, um ein aktuelles Portfolio aufweisen zu können.

Meine Herangehensweise ist ganz unterschiedlich. Oft arbeite ich rückwärts. Ich stelle mir gedanklich das fertige Video, die Inhalte oder das Interview vor und schreibe dann auf, wie ich an dieses Ziel komme. Wie wir alle wissen, kommt es dann allerdings oft anders als geplant. Als ich letztes Jahr nach Sibirien in Russland geflogen bin, um ein Video unter dem Eis zu filmen, habe ich improvisiert. Ich habe den Fokus auf die Aufnahme von atemberaubenden Momenten gesetzt und die Story kam dann schon irgendwie. Das war mein bisheriges Highlight-Projekt. Und genau wegen solchen Projekten und Chancen liebe ich meinen Job.

Mir liegt es sehr am Herzen zu erwähnen, dass Inspiration das A und O ist. Mit jedem Video, mit jedem Bild, das wir sehen, lassen wir uns unterbewusst beeinflussen und somit auch inspirieren. Ich schaue mir gerne gezielt Videos an (zum Beispiel Vimeo Staff Picks, NOW-NESS) die mich persönlich sehr beeindrucken. Auch bei der Inspiration für Projekte, suche ich zuerst nach bestehenden Videos, die ein besonderes Gefühl in mir hervorrufen. Gerade hierbei setze ich die Ansprüche hoch, damit ich mein Projekt entwickeln kann und so nah wie möglich an mein Wunschergebnis herankomme.

Foto von Martin Steinmeier

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