Fotowettbewerb "Abstrakt" - Das sind die Gewinner

"Wer sich nur mit der Realität begnügt, verpasst Details und faszinierende Welten."

Mit diesem Aufruf haben wir beim letzten Fotowettbewerb die besten Bilder gesucht, die abstrakt wirken. Fotos, die unwirklich scheinen und Fotos, auf denen man nicht direkt erkennt, was gezeigt wird. Wir waren uns sicher, dass dies eine sehr anspruchsvolle Aufgabe war und sind umso mehr überrascht gewesen, dass über 850 Fotoenthusiasten teilnahmen. Mehr als bei den meisten anderen Fotowettbewerben. Darüber hinaus ist die kreative Leistung der mehr als 2.250 Aufnahmen bemerkenswert. Die fünf Gewinner zeigen eindrucksvoll uneindeutige Motive, bei denen man ins Grübeln gerät.

Gewonnen hat Sandra Rothfuß aus Mettmann. Ihre Aufnahme überzeugt dadurch, dass sie den Betrachter in die Irre führt. Auf den ersten Blick sieht man einfach ein Gasse bzw. ein Gang im vermutlich mediterranen Raum bis man erkennt, dass da etwas anders ist. Es wirkt etwas kalt und heruntergekommen, aber von unten kommt ein warmer Schein. Ein Mann läuft unter dem Bereich, wo eigentlich der Boden sein sollte, Richtung Licht. Es scheint als könnte man durch die Decke in das Stockwerk darunter schauen, nur dass das keine normale Etage, sondern ein kleines Sträßchen ist. Die Illusion ist geglückt. „Das Hauptbild ist ein Flur in den Beelitzer Heilstätten. Da ich die Spieglung auf dem Original jedoch nicht so toll fand, habe ich überlegt etwas anderes darin spiegeln zu lassen suchte eine Bild, welches dort hineinpassen könnte. Irgendwann einmal hatte ich ein ähnliches Bild mit surrealer Spieglung bei Instagram gesehen. Die Gasse aus Florenz passte für mich dann am ehesten dazu. Mit der App Filterstorm und der Doppelbelichtungsfunktion habe ich die Bilder schließlich zusammengeschnitten.“, klärt uns die Gewinnerin hinterher auf.

Fotowettbewerb Abstrakt Platz 1 Sandra Rothfuß1.Platz Sandra Rothfuß

2. Platz Franz-Josef Besche

Das Foto auf dem zweiten Platz ist ein schönes buntes Chaos. Man erkennt die  einzelnen Elemente, doch es ist gleichzeitig nicht verständlich, warum diese zusammen positioniert sind. Es ist als hätte jemand hunderte von Lampen aus den verschiedensten Zimmern und Räumen in Häusern, Hotels, Cafés und Büros gesammelt und an einem Platz aufgehangen. Es entsteht ein verrücktes Gefühl der Besessenheit und der Überreaktion, doch gleichzeitig herrscht auch eine Magie. Die sternförmige Konstellation führt den Blick in allen Richtungen. Immer wieder entdeckt man neue kleine Dinge. Alle Lampen spiegeln sich in den Scheiben und wiederholen sich in einer neuen Darstellung. Die Aufnahme ist von Franz-Josef Besche und wurde im MARTA, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Herford gemacht. „...ein Detail einer Installation des chinesischen Künstlers Song Dong...“ verrät er uns.

Auf Platz 3 haben wir ein undefinierbares, aber sehr interessantes Bild. Sind es zwei nebeneinanderliegende blaue Gasplaneten im Weltall, umzingelt von allem, was da oben so herum schwebt? In dem Fall bekäme das Thema „Astrofotografie“ eine ganz neue Bedeutung. Könnten es vielleicht auch Augen eines Insekts oder eines Tieres sein aus dem Bereich der Mikrofotografie? Es könnte auch eine manipulierte Drohnenaufnahme von zwei Inseln im Meer sein...abends...bei starken Sturm? Diese Aufnahme hat das Thema auf jeden Fall getroffen und uns sehr neugierig gemacht. Wie wir später von dem 56-jährigen Hobby-Fotografen Peter Henning erfahren haben, ist das Bild folgendermaßen entstanden:
„Die Unterlage ist ein schwarzer Karton und darauf eine flache Glasschale mit etwas lauwarmen Wasser. Darin platzierte ich zwei blaue M&M Schokolinsen und fotografierte mit einem Stativ von oben. Beleuchtet wurde das Ganze mit einer starken Taschenlampe.“
Wir finden das Ergebnis einfach spitze und lassen uns gerne von dieser Ladung Kreativität inspirieren.

3. Platz Peter Henning

4. Platz Frank Wouters

Der nächste Fotograf hat mit seinem spielerischen Bild den vierten Platz ergattert. Es ist eine abstrakte Art der Straßenfotografie, da nicht genau definierbar ist, was der Betrachter sieht und worauf er achten soll. Es besteht aus vertrauten Komponenten wie z.B dem Halbprofil eines Menschen – gleichzeitig eins der ersten Hingucker auf dem Bild. Wurde die Person hinter Glas fotografiert? Sitzt sie in einem Bus? Durch die Spiegelung ist so etwas wie eine Haltestelle oder eine Straße zu erkennen. Es muss Sommerzeit sein, da viele mit Kurzarm zu sehen sind. Es ist eine Wiederholung an Spiegelungen, Schatten und Formen auf einer milchig trüben Oberfläche mit natürlichen Farben. Wir haben uns gefragt: Ist es eine perfekte Zufalls-Komposition? Der Fotograf Frank Wouters klärte uns auf: Sein Plan war es ein paar Streetfotos rund um den Kölner-Dom einzufangen. Diese wollte er analog mit seiner Zorki 4 (Leica II Nachbau) mit Jupiter 3 Objektiv fotografieren und einem Kodak Portra 400 Film. Die Kamera hat den Film beim Spannen des Verschlusses nicht transportiert und so wurde auf einem Film eine Aufnahme 15 Mal belichtet. „Danach habe ich bewusst Portrait und Stillleben abwechselnd fotografiert und hatte mich damit abgefunden nur ein (sehr spezielles) Foto zu bekommen. Ich habe weiter fotografiert obwohl ich nicht wusste, ob der Film soviel Licht vertragen kann. Der Portra 400 kann es anscheinend.“ Besonders bemerkenswert ist, dass der 53-Jährige erst vor drei Jahren mit der Fotografie begann und seit diesem Jahr sein Interesse für die analoge Fotografie entdeckte.

Unser fünfter Platz geht an Annette Hakenberg. Sie präsentiert uns ein Foto der unendlichen Weite des Meeres. Doch so klar und deutlich ist es nicht. Es sind gefühlt alle Blautöne in einem Bild eingefangen, wie in einem Gemälde. Das weiche Meer und der Himmel verlieren sich im Horizont. Es ist als würde der Betrachter allein sehr früh am Morgen in einem Boot oder einfach nur auf der Wasseroberfläche sitzen und sich treiben lassen. Es ist ruhig, befreiend und voller Emotionen. Es beginnt ein neuer Tag. Wer lange darauf schaut, spürt vielleicht die Illusion, dass leichte Wellen auf einen zukommen – eine Kraft, die zur eigenen Bewegung animiert und einen positiven Anschub bewirkt. „Es ist eine Aufnahme vom Atlantik auf La Palma und bearbeitet mit diversen Filtern in Photoshop“, erfahren wir von ihr.

5. Platz Annette Hakenberg

Wir gratulieren herzlich den Gewinnern und bedanken und uns bei allen Teilnehmern! Die Entscheidung war wieder sehr knapp und wir freuen uns auf Ihre Einsendung bei den kommenden Fotowettbewerben.

Die Bilder sind auch im neuen Schnappschuss Magazin zu sehen, welches bei den Düsseldorfer Fototagen am 9. und 10. November präsentiert wird.

JK | 25.10.2018


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