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Aus dem Magazin Schnappschuss No. 55

 

Entweder … Oder
    Schwarz oder Weiß?

 

Entweder … Oder!? In der neuen Rubrik aus unserem Schnappschuss stellen wir Fotografen vor die Wahl. Den Anfang macht der Hamburger Fotograf Peter Köhn. Der frühere Elektroinstallateur, Heilpädagoge und damalige Hobbyfotograf ließ sich bei einer Ausstellung von Cartier-Bresson fangen und entschied an diesem Tag „Solche Fotos mache ich ab morgen auch!“
Einige Jahre und ein Studium unter Prof. Jochen Blume später kann Peter Köhn auf viele Projekte und zahlreiche Aufträge zurückblicken. Dabei steht immer die Konstante Portrait.

Schnappschuss 55 entweder-oder Peter Köhn Plastic PropagandaAus der Serie „Plastic Propaganda“

„Für ein gutes Portrait ist ein Lächeln so wichtig wie ein elektrischer Außenspiegel.“

schwarz oder weiß?

Ich bilde mir ein, kontrastreiche Fotos zu machen. In der Betrachtung von Schwarz-Weiß-Fotografien zählen natürlich auch die unzähligen Töne dazwischen.

Meine Faszination gehört aber definitiv den Schwärzen.Letztlich sind sie es, die mich anrühren.

alt oder modern?

Meine tägliche Arbeit ist modern ausgelegt. Photoshop, Lightroom und andere Programme. Wenn von Kunden nicht anders gefordert, denke ich jede Bildidee als fertigen Print an der Wand an, und nicht als jpg-Vorschau auf dem Computer. Die heutige Print-Technik bietet dafür alles. Jede digitale Datei kann zu einem analogen Negativ verarbeitet werden. Das lässt einen großen Spielraum für die End-Präsentation meiner Arbeiten. Im Schwarz-Weiß-Bereich bevorzuge ich analoge Techniken wie den Silbergelatine-Print, der mit dem Lith-Print zur Höchstform aufläuft. Die Königs-Disziplin im Farb-Print ist für mich der Dye-Transfer-Print. Beide sind aus meiner Sicht digital nicht nachahmbar. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Herstellungskosten, die man aber bei der Betrachtung des finalen Prints gerne wieder vergisst.

Der Schauspieler Karl Heinz von Hassel

Traum oder Erinnerung?

Anders als bei Helmut Newton und Karl Lagerfeld habe ich keine Träume, die am Tag danach zu einer Bildidee werden. Es mag sich banal anhören, aber für mich ist es die Beschäftigung mit den Menschen und die Erinnerungen aus meinem eigenen Leben, die mein Tun gestalten.

Interpretation oder Aussage?

Ich selbst kann meine Arbeit nur tun. Spannend ist es, mich den Interpretationen anderer zu stellen. Das kann auch mal weh tun, ist aber sehr lehrreich.

Der Schauspieler August Zirner

„Meine Worte reichten nicht aus, um das zu beschreiben, was mich an Menschen und Dingen interessiert.“

spontan oder geplant?

In der Beantwortung des Oders wird sich wohl jeder Fotograf schwer tun, da er beides bedienen kann. Denke ich an die Arbeit, die vor mir liegt, sehe ich viel mehr inszenierte Fotos.
Ein geplantes Set gibt den Rahmen für die Akteure vor. Gerade bei kurzen Foto-Shootings ist das sehr hilfreich.

Fotografie oder Wort?

Meine Worte reichten nicht aus, um das zu beschreiben, was mich an Menschen und Dingen interessiert.

hoch oder quer?

Eine interessante Frage, über die ich noch nie nachgedacht habe. Meistens nehme ich die Kamera „hoch ans Auge“. Tatsächlich richtet sich das Format aber an der Bildidee aus.

Talent oder Technik?

Gerade in den letzten Jahren erfahren Workshops und Tutorials einen explosionsartigen Anstieg. Ein „ganz neuer“ Geschäftsbereich ist entstanden. Für mich bleibt die Technik immer der Assistent des Talents.

Der Journalist Stefan Aust

„Ich sehe mich, du siehst dich.

Die Portrait-Fotografie ist immer auch das Spiel wechselseitiger Eitelkeiten.“

Die Violinistin Hsin Hua Hsieh

verrückt oder bodenständig?

Ich bedauere es oft, bisher nicht verrückter in meinen Arbeiten gewesen zu sein. Allerdings muss sich doch jeder nach der Betrachtung der Arbeiten von David LaChapelle eingestehen, bodenständig zu arbeiten…

Kunst oder Geschäft?

Wer möchte nicht beides miteinander verbinden. Aber muss das wirklich? Ich trenne das. Geschäft ist Geschäft und in den meisten Fällen klar umrissen. Kunst gibt viel mehr Raum, fordert einem aber auch vieles ab. Der Prozess des Fotografierens hat dabei oft den kürzesten Anteil. Der gesamte künstlerische Prozess (von der Idee bis zur Vollendung) macht den Reiz aus. Doch doch doch…
Fotografie ist zum Beruf geworden. Ein Zurück in das Hobby mag ich mir heute nicht mehr vorstellen.

Der Regisseur Leander Haussmann

Promi oder Model?

Modelle nehmen in meiner Arbeit keinen großen Raum ein. Hauptberufliche Modelle haben oft, auch wenn ich dieses Wort nicht mag, Posen, die man manchmal nur schwer „lösen“ kann. Oft sind mir Modelle lieber, die aus einem semiprofessionellen Rahmen kommen. Die Arbeit dauert länger, aber die Ergebnisse sind authentischer.

Die Arbeit mit den sogenannten Prominenten ist mir das Liebste. Menschen, die in einem Bereich zu hoher Professionalität gekommen sind, faszinieren mich. „Promis“ wissen von Ihrer Wirkung in der Öffentlichkeit und können, vor allem Schauspieler, in verschiedenste Rollen springen. Das kann dazu führen, dass nicht nur zwei Vorhaben aufeinander prallen, sondern äußere Umstände die Zeit begrenzen. Heißt: Mal eben in 8 Minuten ein gutes Portrait fotografieren. Etwas, woran man sich gewöhnen muss, wenn man in diesem Bereich tätig sein möchte.

tonangebend oder ausführend?

Ich sehe mich, du siehst dich. Die Portrait-Fotografie ist immer auch das Spiel wechselseitiger Eitelkeiten. Mit einem Hamburger Schauspieler entwickelte sich der 2,5-stündige Fototermin als ein permanenter Kampf um die Regie des Shootings. Keiner hat „gewonnen“, aber danach waren wir beide erschöpft und versuchten dem Anderen gegenüber die Haltung zu bewahren… Anders war es mit einem Schauspieler, der in Bayern lebt und in Hamburg ein Gastspiel hatte. Der von der Agentur anvisierte Termin von 10 Minuten wurde von ihm gecancelt. Wir trafen uns in Ruhe am Tag danach und besprachen bei einem Kaffee die einzelnen Stationen, die ich aufgebaut hatte und arbeiteten diese brav ab. So blieb danach Zeit für Gespräche. Wie wichtig ihm seine Querflöte ist, wo er sie gekauft hat und dass er seinen Sohn, der ebenfalls Schauspieler ist, solange fördern möchte wie er kann. Und ja, in dem hallenden Studio spielte er dann Jethro Tull an. Locomotive Breath im Jazz-Style. Erinnerungen an frühere Zeiten wurden wach.

Blog oder Ausstellung?

Auch wenn ich Ende des Jahres einen Blog starte, ist für mich die Ausstellung bzw. das Buch die Endfassung meiner Arbeit. Die Art des Betrachtens ist schlicht wahrhaftiger.

Herz oder Verstand?

In der Fotografie gelten sehr facettenreiche Anforderungen. In der Portrait-Fotografie muss man seinen Gegenüber nicht zwingend verstehen, aber man sollte sich immer mit der Person beschäftigen und versuchen sich einzufühlen. Unter anderem daraus kann man das Bild entstehen lassen. Portraits sind für mich ganz klar herzlich.

Ja oder Nein?

Kamera hoch und lächeln. Ein antrainiertes, ja, ein beinahe anerzogenes Verhalten. Habe ich nie verstanden. Lächeln wir auch im Leben permanent? Gut, man kann sich des Lächelns
natürlich auch bedienen, aber für ein gutes Portrait ist ein Lächeln so wichtig wie ein elektrischer Außenspiegel.

 

Website des Fotografen:

www.peterkoehn.com


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