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Aus dem Magazin Schnappschuss No. 56

 

Bling Bling Baby!
         - 12 Fragen an Nadine Barth

 

Die Publizistin und Kuratorin organisierte für das NRW-Forum in Düsseldorf
die Ausstellung „Bling Bling Baby!“, die vom 19. November 2016 bis
15. Januar 2017 zu sehen ist. Uns erklärt sie, warum es ab und zu auch mal
richtig „knallen“ muss.

Bling Bling Baby - 12 Fragen an Nadine Barth© Martin Schoeller, Courtesy of Gallery Camera Work, Berlin

© Mark Kimber

 

1. Wie kam es zu dieser schrillen Ausstellung?

Die erste Idee dazu entstand schon 2011. Ich hatte gerade vier Projekte abgeschlossen, darunter ein Buch über die Geschichte der deutschen Mode, das wahnsinnig aufwendig und anstrengend war. Danach machte ich erst einmal
nichts, feierte oder machte die Augen zu. Dann musste etwas passieren, und zwar richtig. Der Winter nahte und ich wollte ihn aufhalten. Mit Bildern, hell, bunt, lustig. Ich erinnerte mich an Guy Bourdin, an seine frechen Anzeigen für den Schuhhersteller Charles Jourdan, und ich schaute, ob es so etwas nicht auch aktuell gibt. Mit Miles Aldridge, David LaChapelle und Pierre et Gilles legte ich die Brücke zur neuen Zeit. Seitdem habe ich gesammelt.

2. Was erwartet die Besucher?

Viele, viele bunte Bilder. Okay, stimmt nicht ganz, 7 sind
in schwarz weiß. Über 100 aber sehr bunt.

3. Welche Künstler sind vertreten?

Im ganzen 33: Miles Aldridge, Maxime Ballesteros, Olivo Barbieri, Bela Borsodi, Stefano Cerio, Christto & Andrew, David Drebin, Esther Haase, Hassan Hajjaj, Matt Henry, Markus Henttonen, Sarah Illenberger, Inka & Niclas, Mark Kimber, Anatol Kotte, David LaChapelle, Sarah Malakoff, Jason McGlade, Mi-Zo, Suresh Natarajan, Polixeni Papapetrou, Pierre et Gilles, Rankin, Kourtney Roy, Carolin Saage, Daniel Sannwald, Mike Schreiber, Martin Schoeller, Wing Shya, Ruud van Empel, Mariano Vivanco und Pierre Winther.

4. Welche Motive spielen die hauptsächliche Rolle?

Meist schaut man in so einer Ausstellung vor allem auf die großen Bilder. Um den Flötenspieler von Pierre et Gilles gibt es einen riesigen Goldrahmen, der fällt sicherlich auf, auch das über 3 Meter lange Rape of Africa von LaChapelle. Aber für mich sind auch die kleinern feinen Motive zentral, etwa die Luftballon-Puppe des Schweizer Stillife-Fotografen Bela Borsodi oder das Party Camel der Illustratorin und Künstlerin Sarah Illenberger.

5. Wieso der Titel „BLING BLING BABY!“?

Mein Arbeitstitel war lange „Kitsch in Photography“, doch für viele ist Kitsch auch ein negativ besetzter Begriff. Alain Bieber, der Leiter des NRW-Forums, und ich machten dann ein Brainstorming und kamen auf Glam Glam oder Bling Bling. Ein freches „Baby!“ dazu sollte das Ganze noch als Aufforderung für den Besucher mitgeben: „Glänzen sollst du!“

„Bling Bling“
ist ein Begriff,
den der Hip Hop
etabliert hat.

 

 

© Matt Henry, Courtesy of Flatland Gallery, Amsterdam

© Bela Borsodi

6. Das Genre „POP“ gibt es ja nicht so richtig in der Fotografie. Was bedeutet der Begriff für dich persönlich aus fotografischer Sicht?

Ich verbinde Pop natürlich mit Andy Warhol, aber auch mit einer Zeitschrift namens Pop, die ich als Teenie gelesen habe: Darin ging es hauptsächlich um Musik. Es gab noch die Popcorn, aber was die beiden unterschied, weiß ich nicht mehr. Pop ist für mich, wenn sich Zeitgeist, Jugendkultur, Musik und Film zu einer künstlerischen Ausdrucksform verbinden. Das Resultat kann auch Fotografie sein.

7. Was bedeuten POP, Glitzer und Glamour sowie Kitsch und Künstlichkeit für die Ausstellung?

„Bling Bling“ ist ein Begriff, den der Hip Hop etabliert hat. 1999 erschien der Song Bling Bling von B.G. – einem Sänger, der heute im Knast sitzt. In der Ausstellung gibt es ein Porträt von ihm, wie er seine fetten Ketten in die Kamera von Mike Schreiber hält. Ansonsten funkelt und
glänzt es allerorten in der Ausstellung: von den goldenen Wolkenkratzern in Singapur, die Olivo Barbieri zeigt, bis zum leuchtenden Luxus-Dampfer von Stefano Cerio. Das Thema Opulenz kommt in den zahlreichen Blumenarrangements zum Tragen, hier dockt die Ausstellung an den Bildregeln des Barock an, bricht sie aber wiederum, in dem ein Blumenstrauß brennt oder ein Obst-Figuren-Setting auf einem Glas-Scanner stattfindet.

 

 

8. Sind das neue Tendenzen in der Fotokunst?

Die knalligen Farben in dieser Konsequenz: Ja. Den Katalog haben wir mit Aniva-Farben gedruckt. Die haben einen größeren Farbraum und eine erhöhte Tiefenwirkung. Überhaupt
hat das Buch alles, was man heute machen kann, vom bedruckten Leinen bis zum Silberschnitt. Und einem schönen Hochglanz als Lackform auf den Motiven. Der Chef der Druckerei meinte zu mir, noch vor einigen Jahren hätte man so etwas niemals drucken können.

9. Viele Fotografen scheuen extrem knallige Bilder – sollte man mehr Mut zur Farbe haben?

Kommt darauf an, was man ausdrücken möchte. Stille, ruhige, poetische Bilder haben genauso ihre Berechtigung. Letztlich eine Frage der Persönlichkeit.

© Carolin Saage

© Mike Schreiber

10. Wie kann man sich die Planung und Umsetzung einer solchen Ausstellung vorstellen und wie funktioniert die Auswahl der Bilder?

Wie gesagt, gesammelt habe ich seit 5 Jahren. Immer wenn
ich auf Messen wie der Paris Photo oder Photo London war,
habe ich mir Künstler notiert, die passen könnten. Am Ende habe ich aber vieles wieder verworfen. Etwa surreale Positionen. Das wäre ein weiteres Feld. Auch habe ich geschaut, dass nicht zuviel reine Fashion Photography dabei ist. Mir ging es um die Schnittstelle zwischen Mode und Kunst.
Um Leichtigkeit und subtilen Witz. Die Hälfte der Bilder kam letztlich über Galerien, die andere Hälfte direkt von den Künstlern, einiges haben wir extra geprintet.

11. Was machst du abgesehen der Organisation von Ausstellungen?

Für Hatje Cantz betreue ich Fotobücher. Und für Magazine wie L’Officiel Hommes oder Weltkunst schreibe ich Texte über Fotografie. Über meine Agentur barthouse vermittle ich zudem Fotokunst an Sammler.

12. Abschließend: Fotografie ist für mich…

…das schönste Medium überhaupt.

 

„Pop ist für mich, wenn sich
Zeitgeist, Jugendkultur, Musik
und Film zu einer künstlerischen
Ausdrucksform verbinden.“

© Christto & Andrew


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