Aus dem Magazin Schnappschuss No. 58

 

Eine Hommage an die Vogelperspektive

 

„German Drones“ ist eine Plattform für Fotografen die ein Sammelwerk faszinierender Bilder darstellt, die eines gemeinsam haben: Sie wurde aus luftiger Höhe von einer Drone aufgenommen. In unserem Artikel geben uns Julius und Sebastian reichlich Input selbst kreativ zu werden.

von Julius Krebs und Sebastian Sperner

 

 

Die Perspektive von oben lässt den Betrachter fasziniert und seltsam entrückt auf das vor ihm liegende Motiv blicken. Denn erst wenn der Mensch selbst zu einem ameisengroßen Punkt wird und mit der Umgebung fast unsichtbar verschmilzt, werden die deutlich größeren Formen und Strukturen der Natur oder der künstlich angelegten Landschaft der Zivilisation sichtbar.

Germandrones Vogelperspektive

Christoph Schlein | Faroe Islands

Bis vor kurzem war diese Perspektive ein selten gesehenes Stilelement in der Fotografie und Videografie. Weil solche Aufnahmen bisher nur für viel Geld aus Flugzeugen oder Hubschraubern gemacht werden konnten, waren die Möglichkeiten für Fotografien aus der Luft für die meisten Fotografen mehr als selten. Doch seit rund drei Jahren gibt es eine neue Entwicklung, die uns Fotografen kostengünstig und unkompliziert den Raum einnehmen lässt, der normalerweise den Vögeln vorbehalten ist: Drohnen.
Die Entwicklung dieser kleinen elektronischen Wunder hat die Foto- und Videografie vor allem im Bereich der Hobby-Fotografen auf eine wortwörtlich höhere Ebene gehoben.

Letztes Jahr sind auch wir, Julius und Sebastian, auf diese andere Art der Fotografie aufmerksam geworden. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass es bereits viele talentierte Fotografen gibt, die ebenfalls verstärkt Drohnenaufnahmen in ihr Portfolio aufnehmen und öffentlich zeigen. Dabei fanden wir jedoch keine Möglichkeit, einen konzentrierten Überblick über Fotos aus der Vogelperspektive zu erhalten und haben daraufhin angefangen, dies als Plattform unter dem Namen „German Drones“ zu realisieren.

Thomas Van Kristen | Surfen in Portugal

„German Drones“ versteht sich nicht im engeren Sinne als Gemeinschaft, die geschlossen unter einem gemeinsamen Namen publiziert, sondern als Plattform für Fotografen aus dem deutschsprachigen Raum und als Sammelwerk faszinierender Bilder. Wir veröffentlichen jeden Tag ein Bild auf instagram und Facebook und stellen in dem zugehörigen Post das Motiv sowie den Fotografen vor. Dabei ist es uns besonders wichtig, Aufnahmen mit einer hohen Qualität zu zeigen, die besonders faszinierende Motive haben oder ohne Drohne unerreichbare Orte zeigen beziehungsweise Perspektiven darstellen, die aus der Bilderflut des digitalen Streams herausstechen. Für die Auswahl des täglichen Bilds bedienen wir uns eines Pools von Fotografen, deren Bilder wir benutzen dürfen und die mit ihren sehr guten Fotos auch eine Art festen Kern von German Drones bilden. Zusätzlich durchsuchen wir auch immer die Posts der ganzen Community. Eine Teilnahme ist ganz einfach: Wer unseren Hashtag #germandrones benutzt, kommt automatisch auf unsere Liste, die wir täglich nach den besten Aufnahmen durchsehen.

Dabei stellen wir fest, dass die Anzahl der Drohnenfotos in den letzten Monaten rapide gestiegen ist. Das liegt zum einen daran, dass die Drohnenmodelle seit letztem Jahr auf Bildsensoren ab 1 Zoll setzen (also eine bessere Bild-Qualität sicherstellen) und gleichzeitig das Steuern der Drohnen durch Abstandswarnsysteme und unterstützende Sensorik so einfach wie noch nie ist. Im Prinzip bieten die führenden Hersteller im Bereich zwischen 1.000-2.000 € Drohnen an, die direkt aus der Verpackung heraus losfliegen, Hindernissen ausweichen können und dabei 25 Minuten in der Luft sind. Ein technisches Grundverständnis ist fast nicht mehr notwendig – ob es vorhanden ist oder nicht, lässt sich aber meist an der Qualität der Aufnahmen erkennen.

Germandrones

Trotz dieser einfachen Bedienung muss sich jeder Drohnenbesitzer bewusst sein, dass ein Start und teilweise schon der alleinige Besitz einer Drohne auch gesetzliche Regeln und Verpflichtungen mit sich bringen, die es einzuhalten gilt. Diese Regeln werden auch stetig angepasst und sollten jedem Drohnenbesitzer aktuell bekannt sein. Die einzelnen Regularien wurden zum 1. Oktober 2017 in einer für Deutschland geltenden Verordnung zusammengefasst und lassen sich im Internet auf den Seiten des Bundesamtes für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) nachlesen („Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“).

Wenn man jedoch alle Unterlagen zusammen hat und seine Drohne das erste Mal regelkonform startet, ist man sofort überwältigt von den Aufnahmen, die man aus der Vogelperspektive zu sehen bekommt. Schnell beginnt für alle, die sich die Drohne zu einem kreativen Zweck gekauft haben, die Suche nach Mustern, Formen und aufregenden Motiven, die durch die neue Perspektive in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Eine der offensichtlichsten Besonderheiten ist die senkrechte Sicht nach unten, die Draufsicht. Sie lässt das Motiv durch die fehlende Tiefenwirkung zweidimensional erscheinen. Meist entsteht dadurch ein sehr gezeichneter Eindruck, denn bekannt ist diese Sicht vor allem aus den technischen Zeichnungen von früher. Die Symmetrie, bzw. sich wiederholende Muster und die Farbgebung des Motivs werden dabei oft als Bildgestaltungselement verwendet. Bei unseren Followern favorisierte Drohnenaufnahmen sind oftmals genau solche Shots von oben (Top-Shots). Die Motive werden meist sehr kreativ gewählt, aber auch vermeintlich einfache Baumkronen entpuppen sich als wirkungsstarke Muster.

Michael Schauer | NORTH Tour der einsame Wanderer

Die klassische Vogelperspektive wiederum lässt den Blick meist weiter schweifen und gibt dem Betrachter dadurch das Gefühl über den Dingen zu schweben. Oft entstehen so Freiheitsgefühl und Sehnsucht nach der Ferne, denn der Mensch und die Zivilisation wirken in diesen Fotos klein – der Raum drum herum lädt dazu ein, den Blick schweifen zu lassen und Neues zu entdecken. Hier gibt es viele Möglichkeiten der Gestaltung: das Spiel mit dem Lichteinfall, die Positionierung der Kamera, Landschaftsformen vor dem Horizont, etc.

Sieht man sich unser Profil an, so fällt schnell auf, dass auf den meisten Bildern die weite Natur zu sehen ist. Auf der einen Seite liegt das natürlich daran, dass die Natur wundervolle Farben und Formen aufweist, die man sehr gut in Szene setzen kann. Auf der anderen Seite ist es im deutschsprachigen Raum, aus dem unsere Fotografen kommen, verboten in urbanen Gegenden mit der Drohne zu fliegen. So finden nur selten Bilder ihren Weg ins Internet, die – fotografiert dank besonderer Genehmigungen und Aufträge – städtische Motive zeigen.

Florian Finke | Wald Komfort Zone

Für die Zukunft hoffen wir, dass noch mehr talentierte Fotografen und Filmer die Drohnenfotografie nutzen und mit ihren Aufnahmen den Zuschauer begeistern. Wir sind immer auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Fotografien, um sie auf unserer Instagram- und Facebook-Seite der German Drones Community zeigen zu können. Falls ihr jemanden kennt oder selbst Fotos mit Drohnen macht, freuen wir uns auf jede Nachricht und die Verwendung unseres Hashtags #germandrones. Denn im kommenden Jahr möchten wir unser Angebot erweitern und den Fotografen nicht nur Möglichkeit bieten, ihre besten Aufnahmen einem großen Publikum digital zu präsentieren, sondern auch einen klassischen Printservice zu nutzen.
Wir hoffen, euch mit diesen Bildern motiviert zu haben, selbst kreativ zu werden und wünschen einen guten Flug!


Julius & Sebastian

Michael Burger | Full Speed in den Herbst

Arno Thoeni & Andri Lukas | Baumkronen

Daniel Ernst | Reine, Norwegen


Magazin "Schnappschuss"

Das Foto Koch Magazin ist modern kreativ gestaltet und ist vom Design und inhaltlich relativ einzigartig.

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