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Auf Foto-Safari im Ruhrpott

Keine Region in Deutschland stand in der Vergangenheit so sehr für Industrie und Umweltbelastung wie das Ruhrgebiet. Umso erfreulicher ist der Wandel zu sehen. Wo früher rauchende Schornsteine und dreckige Gewerbeanlagen waren, zeigen sich heute grüne Bäume, wilde Tiere und Natur, die sich ihren Platz zurückholt. Das Projekt „Wildes Ruhrgebiet“ zeigt diese Veränderungen und bringt Interessierten das Nebeneinander der Flora und Fauna in der Metropolregion mit einer besonderen Bildsprache näher.

von Volker Kienast

Die Wildnis ist gar nicht so weit entfernt von dieser Zeitschrift. Sie befindet sich in der Nachbarschaft - in Essen, Bottrop, Duisburg oder Oberhausen. Wer das nicht glauben mag, stelle sich folgende Frage: Wie viele Füchse gibt es im Stadtgebiet von Essen? Tatsächlich sind es rund viertausend.
Darüber hinaus gibt es Wildschweine, Rehe, Hirsche, Salamander und jede Menge Vögel sowie Insekten in allen Größen. Und es ist gar nicht so schwer, all diese Tiere und besondere Landschaften zu entdecken. Die Fotografengruppe „Wildes Ruhrgebiet“ hat sich zur Aufgabe gemacht, den Wandlungsprozess in dieser Region zu begleiten und zu beschreiben.

Das Ruhrgebiet


Obwohl im Ruhrgebiet rund fünf Millionen Menschen leben, hat sich die einstige Region von Kohle, Koks und Stahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten in eine faszinierend grüne Gegend verwandelt. Seit der Stilllegung zahlreicher Industrieanlagen erschließen sich Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum ganz neu oder erobern ihn zurück. Mittlerweile ist die biologische Vielfalt sogar größer als auf den intensiv bewirtschafteten Agrarflächen in den angrenzenden ländlichen Gebieten. Ein Beispiel: Der Kiebitz-Bestand nimmt zurzeit auf den Feuchtwiesen und Weiden NordrheinWestfalens nachweislich deutlich ab. Im Ruhrgebiet hingegen brütet der Vogel nach wie vor auf Industrie- und Gewerbebrachen.

Das Wilde Ruhrgebiet


Das Projekt „Wildes Ruhrgebiet“ schafft für diesen Wandel der Region eine Plattform. 2014 schrieb der Naturfotograf Peter Schütz in einer Fotozeitschrift den Artikel „Wildes Ruhrgebiet“. Daraufhin gründete
der Essener Tier- und Naturfotograf Alexander Krebs gemeinsam mit Schütz und dem befreundeten Fotografen Markus Botzek das gleichnamige Foto-Projekt "Wildes Ruhrgebiet“. Es ist ein Langzeitprojekt, das die urbane Wildnis der Region in den Fokus der Öffentlichkeit bringen will. Seit einigen Jahren gehören auch das Ehepaar Stefan und Sabine Fabritz sowie der Texter Volker Kienast zum festen Kern des Teams. Und diese Fotografen wissen, was sie tun, denn sie sind ausgebildete Biologen, Umweltwissenschaftler oder befassen sich seit Jahren intensiv mit der Ornithologie. Mit etlichen Ausstellungen, Messen, der Internetseite www.wildes-ruhrgebiet.de, über soziale Medien wie Facebook und Twitter, bei Vorträgen und Fotokursen gelingt es ihnen, auf die besondere Situation von Flora und Fauna im Ruhrgebiet aufmerksam zu machen.

Ein gutes Miteinander


Die mitten im Ballungsraum wild lebenden Tier- und Pflanzenarten fühlen sich von den zweibeinigen Einwohnern des Ruhrgebiets kaum gestört. Dafür gibt es Gründe: Die Menschen verteilen sich nicht gleichmäßig über die gesamte Fläche und auch nicht gleichmäßig über die Zeit, denn auf vielen Brachflächen, Halden und in den Ruhrgebietswäldern trifft man unter der Woche kaum Menschen. Lediglich an den Wochenenden wird es voll, dann aber vornehmlich an den Stellen, die zu touristischen Highlights, sogenannten Landmarken oder Freizeitparks, entwickelt wurden. Beispiele dafür sind der Tetraeder in Bottrop oder das UNESCO Welterbe Zollverein in Essen. Mindestens zwei Prozent der Ruhrgebietsfläche, etwa 8.000 Hektar, werden heute noch von Industriebrachen und Bergbauhalden eingenommen. Viel Platz für Tiere und Pflanzen und ein großes Gebiet für Fotosafaris.

Die Bildsprache: Der Pott ist mit im Bild


Mit ihren eindrucksvollen Fotografien und Texten rücken die Fotografen des „Wilden Ruhrgebiets“ die hier lebenden, oft spezialisierten Pflanzen und Tiere in den Fokus. Dabei folgen die auf www.wildes-ruhrgebiet.de veröffentlichten Fotografien einer eigenen urbanen Bildsprache: Die abgebildeten Pflanzen, Tiere und Landschaften stehen in einem industriell-urbanen Kontext. Es gibt viele herausragende Fotografien von einem Eisvogel, doch ein gutes Eisvogelbild mit erkennbarem Bezug zur Altindustrie- und Stadtlandschaft des Ruhrgebiets hat Seltenheitswert. Und auch eine Kreuzkröte zu fotografieren, mag zunächst einfach sein, aber eine Kreuzröte im Landschaftspark Nord in Duisburg Meiderich? Die herkömmliche Tier- und Naturfotografie produziert Bilder, die nicht das ausdrücken, was die Natur in Ballungsräumen ausmacht.
So fotografieren, dass die Bilder auch Urbanität ausdrücken, bedeutet ein Umdenken: Stromleitungen, Gebäude oder Straßen werden durch geschickt gewählte Bildausschnitte in Beziehung zum Hauptmotiv gesetzt, um das Besondere der Region hervorzuheben: das Miteinander von Menschen, Tieren und Pflanzen.


Denn die sehr anpassungsfähigen Arten kommen den Menschen im Ballungsraum sehr nah und ziehen ihren Nutzen daraus. Daher ist es das Ziel der urbanen Bildsprache, beispielsweise einen Rotfuchs so in Szene zu setzen, dass ein zum Kanal ausbetonierter Bach gut zu erkennen ist. Um solch eine urbane Bildsprache zu erreichen, muss ein Bild gut geplant werden, Zufallsprodukte gelingen eher selten. Die besten Bilder erzielen die Fotografen, wenn sie ganze Bilderstrecken zu einer Tier- oder Pflanzenart über einen längeren Zeitraum entwickeln. Ein Beispiel ist die Geschichte zu den Honigbienen im Ruhrgebiet, die auf der Homepage veröffentlicht wurde. Und neben den Fotografien gibt es viele interessante Fakten: Wer weiß schon, dass ein Imker mit 120 Bienenstöcken mehr Honigbienen für sich arbeiten lässt (nämlich rund sieben Millionen), als das mit fünf Millionen Menschen dicht besiedelte Ruhrgebiet Einwohner hat.

Mittäter gesucht

Füchse knacken abends Haselnüsse auf der Straße, ein Waldkauz verbringt seinen Tag auf einem Schornstein, Mauersegler jagen in lauen Sommernächten durch die Hausschluchten. Die Fotogruppe „Wildes Ruhrgebiet“ kennt viele Orte, wo sich all dies beobachten lässt, doch sie kann nicht überall sein. Wer also einen Fuchsbau im Garten hat, einen Buntspecht im Obstbaum oder eine Ringelnatter im Komposthaufen, kann gerne einen Hinweis zu seinem oder ihrem persönlichen „Wilden Ruhrgebiet“ geben. Die Gruppe freut sich über jeden Hinweis und jedes Foto. Bereits jetzt beteiligen sich rund 20 Fotografinnen und Fotografen an dem Projekt, jeder Neuzugang ist herzlich willkommen. Darüber hinaus können Interessierte bei den Fotografen des „Wildes Ruhrgebiet“ Kurse buchen, um die besten Plätze sowie die Bildsprache kennenzulernen.


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