Reisefotografie

Jens Landmesser von Canon berichtet in unserem Schnappschuss

Schnappschuss Reisefotografie FahrradAufnahme südlich von London

 

Jens Landmesser, Dozent und Trainer der Foto Koch Akademie von Canon-Workshops und als freiberuflicher Fotograf in der Szene bekannt, gibt Tipps zum Thema „Reisefotografie“.

Wie bereitet man sich am besten auf eine Fotoreise vor?

Planung ist sehr wichtig, wenn man tolle Fotos generieren möchte, um diese vielseitig weiterverwenden zu können. So etwa für eine Online-Präsentation oder ein eigenes Fotoreisebuch, das die Reise auch haptisch dokumentiert. Im Urlaub und auf Reisen lassen sich zum Glück viele Eindrücke und Motive in unterschiedlichen Facetten festhalten, wie sie uns im Alltag erst mal so nicht begegnen. Ich empfehle vor der Reise eine kleine Liste anzufertigen, welche Motiv-Situationen wichtig sind, damit am Ende der Reise nicht nur Landschaftsaufnahmen auf der Speicherkarte sind. Weiterhin ist eine Checkund Packliste für die Fototasche sinnvoll, was alles rein muss und dass Akkus aufgeladen werden müssen, der Sensor überprüft werden sollte und es sich empfiehlt noch einmal Testfotos aufzunehmen.

Welche Kamera nehme ich mit?

Das ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Wie viel Gepäck möchte ich mitnehmen und welche fotografischen Möglichkeiten sind mir wichtig? Es gibt brillante vielseitige Spiegelreflex- und Systemkameras, aber auch leichte Kompaktkameras. Alle haben so ihre Vor- und Nachteile. Es stellt sich zum Beispiel die Frage der Größe des Bildsensors. Je größer dieser ist, umso besser kann die Kamera mit schlechten und schwierigen Lichtverhältnissen umgehen und auch besser selektive Schärfe abbilden. Hier zeigen sich die Stärken der Spiegelreflex- und Systemkameras, die mit großen Bildsensoren ausgestattet sind. Weiterhin spielt die Motivwelt eine Rolle, wo ich drei Motivarten unterscheide: Statische Motive, dynamische Motive und Motive, die beide beinhalten. Dabei entscheidend sind Aspekte wie das Autofokus-System oder auch Möglichkeiten einer Reihenbildfunktion.



Oft entscheidet der richtige Moment

Was muss in die Fototasche?

Für gelungene Bilder benötige sowohl ich, als auch mein Kamerasystem, ein gutes Auge. Meine Kamera in Form von Objektiven, die mir die Möglichkeiten geben, verschiedene Brennweiten zu nutzen, da auf Reisen die unterschiedlichsten Motive abgebildet werden wollen. Unbedingt sollte man an eine größere Brennweite denken, denn etwa ein einfacher Spaziergang über einen Markt liefert eine Fülle an Bildern in der Motivwelt „Land und Leute“. Ein Stativ und eine gute Ausstattung an Filtern, ich nenne mal Pol-Filter und ND-Filter, runden die Ausrüstung sehr schön ab. Unverzichtbar sind genügend Ersatzakkus, Speicherkarten und Reinigungsutensilien. Für den Transport setze ich bei vielen Reisen ein Clik-Elite Rucksacksystem ein, das genug Platz für mein Equipment als auch Dinge für den täglichen Bedarf bietet.



Welche Aspekte spielen noch eine Rolle, damit gute Fotos gelingen?

Der schnelle Motivwechsel auf Reisen macht es spannend. In der Reisefotografie treffen ja in kürzester Zeit sehr viele Motivwelten aufeinander, sei es die Landschaftsfotografie, Land und Leute (People on Street), Architekturfotografie oder auch die Tierfotografie. Wichtig ist aber nicht einfach drauf los zu fotografieren, sondern zuerst eine Motivanalyse zu betreiben. Jeder Fotograf sollte sich genau überlegen: Was fotografiere ich überhaupt? Wie verhält sich das Motiv? Ist es statisch oder dynamisch? Wo und wie weit sollte sich die Schärfe im Bild befinden und verteilen? Offene Blenden und eine gewisse Brennweite sind beispielsweise für Portraits sinnvoll, geschlossene für eine durchgängigere Schärfentiefe bei der Landschaftsfotografie. Weiterhin ist die Tageszeit entscheidend. Im Allgemeinen bieten die Morgenstunden und der Nachmittag ein gutes Licht. Wenn man nicht alleine verreist, ist es teilweise schwierig, seine fotografische Leidenschaft mit den Interessen der Mitreisenden zu vereinen, daher bin ich morgens oft alleine zum Fotografieren unterwegs. Natürlich sind grundsätzliche Aspekte wie Drittelregel, Goldener Schnitt, Zeit und Blende, Bildaufbau, sowie Format wichtig. Genauso wie in allen anderen Genres.


Auch bei viel Licht eine lange Belichtungszeit? Möglich durch einen Neutraldichte- bzw. Grau-Filter

Wie und was fotografiere ich, ohne dass der eigentliche Urlaub zu kurz kommt?

Man darf die Reisen nicht nur durch die Kamera betrachten. Man sollte nicht vergessen Erlebnisse auch „real“ wahrzunehmen. Meines Erachtens gehört auch nicht jede Situation fotografiert! Genießen Sie erst die Situation und nehmen Sie sich dann Zeit für die Fotografie um bestmögliche Bildergebnisse zu erzielen. In vielen Motivwelten, wie der Portraitfotografie, ist es wichtig, kurz nachzufragen, ob die Person überhaupt fotografiert werden möchte. Dies zeigt Respekt der anderen Person gegenüber und schafft manchmal sehr interessante Kontakte.


Aufnahmemotiv mit hohem dynamischen Anspruch.

Wie sieht die ideale Speicherkarte nach einer Reise aus?

Ein guter Mix macht's, seien es diverse Motivwelten, Bildformate oder Stile.

Welches Fazit gibt es zur Reisefotografie?

Im Vordergrund jeder Reise und der damit verbunden Fotografie sollte immer der Spaß an der Fotografie stehen. Denn ohne Leidenschaft für dieses Hobby oder gar den Beruf entstehen sonst nur unbeseelte Aufnahmen.