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Aus dem Magazin Schnappschuss No. 54

 

#timelapsen

 

Was ist Timelapse? Ein Timelapse ist etwas in der Art einer Zeitraffer-Fotografie.
Nachträglich werden die Bilder in der Postproduction nachgearbeitet und dann dramaturgisch hintereinander beschleunigt abgespielt. Durch die häufig benutzte Langzeitbelichtung werden so Naturphänomene für den Menschen sichtbar.
von Leo Harnisch

timelapsen-titelbild

 

Eigentlich wollte ich nur dokumentieren, wie ich meine Ikea-Möbel aufbaue. Ich stellte mein MacBook auf und ließ die Webcam bei jeder Bewegung ein Foto aufnehmen. Ein wenig später kam mir die Idee, die faszinierende Eigenschaft von Mimosen, bei Berührung ihre Blätter einzufalten, zu timelapsen. Ich übertrug das „Ikea-Prinzip“ und machte eine Reihe Fotos. Richtig schlecht: Ohne Stativ, unbearbeitet, unter wechselnden Lichtverhältnissen. Die Fotos importierte ich in ein Videoprogramm, und so entstand mein erster Timelapse.

Tag-Zu-Nacht-Timelapse-DüsseldorfTag-zu-Nacht-Timelapse

Einige Zeit verging, und zufällig entdeckte ich den Film „TimeScapes“ von Tom Lowe. Ich war sprachlos, hatte aber keine Idee, wie diese Technik heißen könnte und erst recht nicht wie sie funktioniert. Nach langer Recherche im Internet und unendlich vielen Fehlversuchen gelangen mir die ersten brauchbaren Ergebnisse. Über ein halbes Jahr hinweg suchte ich geeignete Motive und begann diese zu timelapsen. So entstand mein Timelapse-Film über Düsseldorf.


Seit 2015 arbeite ich nebenbei als Freelancer mit dem Schwerpunkt Landschaftsfotografie, Zeitraffer und Videografie.

Das Stilmittel Zeitraffer ist nichts Neues. Wenn man aber statt zu filmen einzelne Fotos macht, hat man zwei Vorteile: Zum einen kann jedes Foto beliebig lang belichtet werden, zum anderen kann das Intervall zwischen den Fotos frei gewählt werden. Zusammen mit den vielen Bildbearbeitungsmöglichkeiten sind gerade auch bei schwierigen Lichtverhältnissen spektakuläre und stimmungsvolle bewegte Aufnahmen möglich, die man zuvor noch nie gesehen hat.

Als Ausrüstung braucht man lediglich ein Stativ, eine digitale Kamera, ein Intervalometer und ein Videoprogramm. Tagsüber benutzt man gerne einen ND-Filter, um durch längere Belichtungszeiten weichere Übergänge zu schaffen. Besonders gerne werden Natur- und Stadtlandschaften gelapst: Wolken, Wasser, Stadtlichter oder auch der Sternenhimmel bieten einem die langsamen Bewegungen, die man mit bloßem Auge zwar sehen, aber trotzdem nie als Ganzes erfassen kann.

Lieblingssicht auf BerlinMeine Lieblingssicht auf Berlin

Timelapse mit SliderTimelapse mit Slider

Nächste Woche war ein Trip in den Harz geplant. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung eine meiner Lieblingslandschaften in Deutschland, um den Nachthimmel zu timelapsen. Werden wir geeignetes Wetter haben? Wann geht die Sonne unter? Wird der Mond die Milchstraße überblenden? In welcher Himmelsrichtung wird der „imposante Teil“ der Milchstraße zu sehen sein? Wo übernachten wir? Die meisten Fragen beantwortet das Internet, Google Maps oder Apps wie Photopills und Skyguide. Oft habe ich vorher eine gewisse Vorstellung, wie der Timelapse am Ende aussehen soll. Kein Bild, nein eine Stimmung, zusammengesetzt aus dem, was ich in meinem Leben bis jetzt gesehen habe, und der Fantasie, wie meine Welt aussehen soll. Trotz ausgiebiger Planung laufe ich am liebsten draußen herum und lasse mich überraschen: Ich suche Bilder, die nicht nur wie in der Landschaftsfotografie als einzelner Moment funktionieren, sondern über Minuten und Stunden.

Vom letzten Mal habe ich noch eine Location im Kopf, die ich ausprobieren wollte. Der Rucksack ist heute gar nicht so schwer: Ein Carbon-Stativ, eine Canon 6D mit dem EF 16-35mm f/2.8 und ein Intervalometer. Wir brauchen keinen ND Filter, da es ja dunkel sein wird. Die skurrilen Silhouetten der von Borkenkäfern angefressenen Bäume eignen sich perfekt als Vordergrund. Dahinter werden die Sterne auf- und untergehen. Wir tasten uns an den Bildausschnitt heran, stellen unsere Kameras ein: M-Modus, RAW, ISO 4000, Blende 2.8, Brennweite 16mm, 25s Belichtung. Die Kameras haben wir schon tagsüber manuell fokussiert bzw. mit etwas Glück jetzt. Das Intervall stellen wir auf 30 Sekunden ein. Es geht los. Die nächste Stunde ist nur das Klacken der Kameraauslöser zu hören. Eine Sekunde nicht aufgepasst, komme ich aus Versehen gegen ein Stativ. Oft hatte ich die Aufnahmen zu früh abgebrochen, weil mir auf einmal auffiel, was noch viel besser aussehen würde oder weil ich einfach eingefroren war. Heute läuft alles optimal. Wir schauen uns die Fotos auf dem Kameradisplay an und sind geflasht. Wie wird das erst mal nach der Bearbeitung aussehen.

Die Nachbearbeitung in Lightroom ist genauso wichtig wie das Fotografieren. Entweder fange ich von vorne an oder passe meine Presets an. Bei diesem Shot sind Farbtemperatur und Tönung am wichtigsten. Ich drehe etwas Kontrast, Lichter, Weiß, Klarheit und Dynamik rein, bringe das Foto auf 16:9 und übertrage die Bearbeitung auf alle Fotos. Die RAWs werden als JPEG exportiert und in Premiere zu einem Film verarbeitet. Den Wackler durch meine Unachtsamkeit habe ich mit dem Verkrümmungsstabilisator entfernt. Eine sehr lästige Sache beim Timelapsen ist das Flickern. Durch die mechanische Ungenauigkeit des Verschlusses und der Blende wird jedes Foto der Sequenz minimal unterschiedlich belichtet. Das Flickern beseitige ich mit dem Timelapse Programm LRTimelapse.

Blaue Stunde am BodenseeBlaue Stunde am Bodensee

Milchstraße im HarzMilchstraße im Harz

Nach dem Ausschlafen am nächsten Mittag schaue ich mir die Sequenz an. Das ist der Moment, in dem ich entweder total enttäuscht bin oder absolut nicht glauben kann, was da gerade Unfassbares entstanden ist. Unser Foto-Trip ist perfekt, nachdem ich die Ergebnisse auf Facebook und Instagram gepostet habe. Mein Hashtag lautet #timelapsen.


Schnappschuss 54

Magazin "Schnappschuss"

Das Foto Koch Magazin ist modern kreativ gestaltet und ist vom Design und inhaltlich relativ einzigartig.

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