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Vintage Objektive

Vintage Objektive an modernen Sony-Systemkameras

Lesezeit: 8 Minuten - 10.07.2019 - von Klaus Schachtschneider

Meine ersten Fotos habe ich als Jugendlicher in den 70ern mit einer Porst FX6 Spiegelreflexkamera gemacht. Später wurde ich Canon Fan, als die AE1 heraus kam. Canon bin ich sehr lange Zeit treu geblieben, ziehe aber in letzter Zeit fast nur noch mit einer Vollformat-Systemkamera von Sony los: Der Sony A7 III

Bis vor ein paar Jahren war ich der festen Überzeugung, dass ich niemals eine Vollformat-Kamera brauchen werde. Meine zweistellige Canon Spiegelreflexkamera mit dem Crop-Faktor 1.6 reichte damals für alle meine fotografischen Bedürfnisse aus. Doch dann fing ich an, mit alten manuellen Objektiven aus den 50er bis 80er Jahren zu experimentieren. Heute sind hochwertige Canon-Objektive mit dem alten FD-Bajonett, die ich mir damals als Student nicht leisten konnte, leicht bezahlbar und lassen sich einfach über mechanische Adapter an moderne Kameras anbringen. Bislang habe ich noch keinen Objektivanschluss gefunden, der nicht an das Sony FE-Bajonett passt. Und tatsächlich reicht dabei eine rein mechanische Adaption ohne jegliche elektronische Kontakte, denn die Objektive sind rein manuell bedienbar, es gibt keine Kommunikation zwischen Body und Objektiv.

Klaus Schachtschneider:

www.photissimo.de

Das hat Vor- und Nachteile: Von Vorteil ist, dass die Adapter sehr günstig zu haben sind. Auf den ersten Blick ist nachteilig, dass man die Belichtungseinstellungen teilweise manuell vornehmen muss. Aber ist das nicht eine gute Gelegenheit, sich mit dem Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert auseinander zu setzen?
Wahlweise kann die Kamera die Belichtung automatisch einstellen, allein die Blende am Objektiv muss manuell eingestellt werden. Das hat den Vorteil, vollständige Kontrolle über die Schärfentiefe des Fotos zu haben. Nun muss man nur noch manuell scharfstellen - einen Autofokus gibt es nicht. Früher hat man das über Mattscheibe und Schnittbildindikator gemacht, heute unterstützt einen die moderne Kamera über das Focus-Peaking: Scharfe Bildbereiche werden dabei deutlich im Okular oder auf dem Display farblich hervorgehoben. Das Fokussieren ist so kinderleicht.

Was aber war der Grund, sich mit alten, manuellen Objektiven zu beschäftigen?
Nun, es ist der besondere Look.

Viele mögen den besonderen Charakter des unscharfen Bildbereichs, des Bokehs. Da gibt es alles, vom sehr weichen Unschärfebereich über wirbelige Hintergründe bis zum Bubble-Bokeh. Dieser Look, der jedem Objektiv individuell eigen ist und eine intensivere, entschleunigte Auseinandersetzung mit der manuellen Fotografie machen den Reiz aus.
Ein gutes Bild sollte Emotion übertragen. Ich finde es oft einfacher, diese Emotion mit alten Objektiven zu vermitteln. Wer bei 42 Megapixeln knackige Schärfe bis in die Ecken erwartet, sollte von den alten Schätzchen die Finger lassen. Aber Bilder mit Charakter lassen sich gut mit den Oldtimern erzeugen.

Carl Zeiss Jena Pancolar electric 1.8/50 (BackMod)

Richtig auf den Geschmack gekommen bin ich vor ein paar Jahren, als ich Bildbeispiele im Internet sah. Damals bekam man die Objektive noch fast geschenkt (auch heute kosten sie nur einen Bruchteil ihrer modernen Nachkommen), und so war die rein finanzielle Einstiegshürde sehr niedrig. Damals kaufte ich zunächst das lichtstarke Canon FDa 1.4/50 S.S.C. und einen passenden Adapter für meine Sony Systemkamera. (An die ließ sich viel einfacher und ohne Ausgleichslinse adaptieren, als an eine moderne Canon DSLR. Zudem gibt es bei Systemkameras keine Probleme durch Kollisionen zwischen Spiegel und altem Objektiv.)

Carl Zeiss Jena Alu Tessar 2.8/50 red T

Den Ruf das "Adlerauge" unter den Objektiven zu sein, hat das vierlinsige Carl Zeiss Jena Alu Tessar 2.8/50 red T. Es hat 14 Blendenlamellen und gibt auch abgeblendet sehr schöne runde Unschärfekreise. An einem Landschaftsbild (hier Nähe Burg Linn) bekommt von der hohen Abbildungsleistung einen Eindruck.

Meyer Optik Görlitz Diaplan 3.5/100 (Diaprojektorobjektiv)

Leitz Wetzlar Colorplan 2.5/90 (Metall) (Diaprojektorobjektiv)

Die alten Objektive sind, wie schon erwähnt, oft sehr einfach aufgebaut. Daher lassen sich manche (aber nicht alle! Vorsicht!) ohne großen Aufwand zerlegen, z.B. um sie zu reinigen. Aber man kann auch ganz bewusst den Strahlengang verzerren, indem man eine der Linsen einfach umdreht. Das habe ich beim Carl Zeiss Jena Pancolar electric 1.8/50 mit einer der hinteren Linsen gemacht. Der Linsendreher bewirkt, dass nur der Bildbereich um die optische Achse herum einigermaßen scharf abgebildet wird. Je weiter von dieser Mitte entfernt, desto größer die räumliche und farbliche Verzerrung. Über die Wahl der Blende kann der scharfe Bereich in der Größe variiert werden. Das Hauptmotiv sollte sich im Mindestabstand des Objektivs befinden. Gegenlichtsituationen verstärken den Effekt deutlich. Hier gilt: Ausprobieren und Erfahrung sammeln.
Das bunte Foto ist übrigens nur beschnitten worden. Die heftigen Effekte und intensiven Farben hat nicht die Bildbearbeitung erzeugt, sondern allein der Linsendreh. Sehr viele kleine Lichtpunkte, wie beispielsweise Sonnenreflektionen im Blattwerk von Bäumen oder auch die vielen LED-Lämpchen einer Kirmes, verstärken den Effekt.

Carl Zeiss Jena Pancolar electric 1.8/50 (BackMod)

Anfangs habe ich meine alten Objektive noch an eine Crop-Systemkamera von Sony angesetzt. Technisch hat das sehr gut funktioniert. Aber die alten Schätzchen sind ja nun mal Vollformatobjektive. Nutzt man sie an einer Digitalkamera mit kleinerem Sensor, schneidet man den Randbereich weg. Gerade dort wird es aber oft erst interessant. Besonders die unscharfen Bildbereiche entfalten am Vollbildrand ihre besondere Charakteristik.
Zum Zeitpunkt meines Wechsels gab es de facto nur eine Kamera, die ideal geeignet war: die Sony A7II. Kein Spiegel, der ggf. an das Objektiv schlägt, leicht und preiswert zu adaptieren, sehr gute Bildqualität und ein Bildstabilisator. Besser geht's nicht, dachte ich und kaufte den Body. Nur den Body, vorerst kein modernes Objektiv dazu. Dann kam doch das ein oder andere moderne Sony-Objektiv hinzu und schließlich wurde die Sony A7 III vorgestellt.
Äußerlich kaum verändert, aber die inneren Werte sind um Welten besser. Inzwischen verwende ich fast ausschließlich die A7 III, mal mit den alten manuellen Objektiven, mal nutze ich die fantastischen Autofokusmöglichkeiten moderner FE-Objektive.
Fotografieren kann so vielfältig und spannend sein!

Liste der verwendeten Objektive:

  • Canon FD-1 1.4/50 S.S.C. - Anschluss: Canon Bajonett FDa mit Überwurfring
  • Carl Zeiss Jena Alu Tessar 2.8/50 red T - Anschluss: EXA Exakta
  • Pentacon 3.5/30 (bauähnlich zum Meyer Optik Görlitz Lydith) - Anschluss: EXA Exakta
  • Meyer Optik Görlitz Diaplan 3.5/100 - ursprünglicher Anschluss: Diaprojektor-Gewinde. Später fest adaptiert auf Canon EF. Wird mit EF-FE-Adapter an der Sony A7III verwendet
  • Leitz Wetzlar Colorplan 2.5/90 - ursprünglicher Anschluss: Diaprojektor-Gewinde. Später fest adaptiert auf Canon EF. Wird mit EF-FE-Adapter an der Sony A7III verwendet
  • Zeiss Ikon Talon 2.8/85 MC - ursprünglicher Anschluss: Diaprojektor-Gewinde. Später fest adaptiert auf Sony FE
  • Carl Zeiss Jena Pancolar electric 1.8/50 - Anschluss: M42 Schraubgewinde

Sony Systemkameras im Onlineshop bestellen: 

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