
Die Bridgekamera für Alles:
Sonys RX10-Serie lebt weiter
Lange sah es so aus, als hätte Sony die RX10-Serie auslaufen lassen. Die RX10 IV kam schließlich bereits 2017 auf den Markt und ein Nachfolger ließ seitdem auf sich warten. Mit der neuen Sony RX10 V wird das Konzept dieser der Premium-Bridgekamera nun doch fortgeführt und und bringt technisch viele Features mit, die wir bereits aus der Alpha-Serie kennen.
Am grundlegenden Erfolgsrezept ändert Sony nur wenig: Die RX10 V kombiniert weiterhin einen 1-Zoll-Sensor mit einem fest verbauten ZEISS-Zoomobjektiv, das einen enormen Brennweitenbereich von umgerechnet 24 bis 600 mm abdeckt.
Sony Neuheit 09.07 - 16Uhr
Warum die RX10 bis heute gefragt ist
Die Sony RX10 IV war vermutlich erfolgreicher, als es ihre inzwischen lange Marktzeit vermuten lässt. Der Grund dafür war vor allem das konsequente All-in-One-Konzept. Mit ihrem umgerechnet 24-600 mm großen Zoombereich (und einer maximalen Blendenöffnung von f/2.4 bis f/4) deckte die RX10 IV nahezu alle klassischen Aufnahmesituationen ab: Landschaften, Reisen, Porträts, Tiere, Sport und weit entfernte Details.
Auch im Videobereich war die RX10 IV für ihre Zeit gut ausgestattet. Sie konnte 4K-Videos mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde ohne zusätzlichen Crop aufnehmen und bot einen speziellen HFR-Modus für starke Zeitlupenaufnahmen.
Nach fast neun Jahren merkt man der Kamera ihr Alter mittlerweile allerdings an. Der Autofokus war 2017 schnell und zuverlässig, kann bei moderner Motiverkennung und intelligentem Tracking aber nicht mehr mit aktuellen Kameras mithalten. Auch bei wenig Licht stößt der 1-Zoll-Sensor vergleichsweise schnell an seine Grenzen.
Die Idee hinter der RX10 war also weiterhin interessant. Es fehlte lediglich an aktueller Technik.

Bekannter Sensor, neue Leistung
Bei der Auflösung bleibt Sony dem bisherigen Konzept treu. Auch in der RX10 V arbeitet ein 1,0-Zoll-CMOS-Sensor mit 20,1 Megapixeln. Auf dem Papier klingt das zunächst nicht nach einem besonders großen Entwicklungssprung. Die entscheidende Veränderung findet allerdings hinter dem Sensor statt.
Sony verzichtet bei der neuen Architektur auf den bisherigen DRAM-Chip und kombiniert den Sensor stattdessen mit dem aktuellen BIONZ-XR-Prozessor. Dadurch rückt die RX10 V bei Verarbeitungsgeschwindigkeit, Autofokus und Bedienung deutlich näher an die aktuellen Kameras der Alpha-Serie. Von dieser höheren Rechenleistung profitieren gleich mehrere Bereiche:
- Verbesserte Bildverarbeitung
- Natürlichere Farbwiedergabe
- KI-Weißabgleich
Natürlich bleibt ein 1-Zoll-Sensor ein 1-Zoll-Sensor. Bei sehr wenig Licht oder wenn eine besonders geringe Schärfentiefe gewünscht ist, haben größere Sensoren weiterhin Vorteile. Durch die neue Verarbeitung dürfte die RX10 V aber mehr aus den vorhandenen Sensordaten herausholen als ihr Vorgänger.
Der deutlich größere Entwicklungssprung zeigt sich ohnehin bei der Geschwindigkeit und beim Autofokus.

Autofokus auf Alpha-Niveau
Beim Autofokus übernimmt die RX10 V viele Funktionen aus Sonys aktuellen Alpha-Kameras. Dazu gehört der Real-time Recognition AF, der Motive nicht nur erkennt, sondern auch ihre Form und Haltung analysiert.
Bei der Motiverkennung stehen dir folgende Optionen zur Verfügung:
- Mensch: Auge, Gesicht, Kopf und Körper (mit Human-Pose-Estimation)
- Tiere und Vögel: Auge, Kopf und Körper
- Insekten: Kopf und Körper
- Auto, Zug und Flugzeug
Die Kamera kann außerdem automatisch entscheiden, welche Motivart sich gerade vor ihr befindet. Das ist besonders bei Reisen oder in der Natur praktisch, wenn sich die Aufnahmesituation schnell verändert und keine Zeit bleibt, den Erkennungsmodus im Menü umzuschalten.
Damit dürfte die RX10 V gerade für Wildlife-Fotografen deutlich interessanter werden. Das 600-mm-Teleende war bereits beim Vorgänger eine der größten Stärken. Nun bekommt die Kamera auch einen Autofokus, der diese Brennweite besser ausnutzen kann.
Schnellere Serienbilder
Auch die Serienbildgeschwindigkeit wurde deutlich erhöht. Die RX10 V erreicht bis zu 30 Bilder pro Sekunde, blackout-free. Bei voller Serienbildgeschwindigkeit berechnet die Kamera den Autofokus bis zu 60-mal pro Sekunde. Gerade bei Vögeln im Flug, schnellen Tieren oder Sportmotiven kann das den entscheidenden Unterschied machen.
Mit der Continuous Speed Boost-Funktion lässt sich die Bildrate außerdem vorübergehend erhöhen. So kann zunächst mit einer niedrigeren Serienbildgeschwindigkeit fotografiert und erst im entscheidenden Moment auf die maximale Geschwindigkeit gewechselt werden.
Die Pre-Capture-Funktion übernimmt Sony allerdings an dieser Stelle nicht aus der Alpha-Serie.
Weitwinkel bis Super-Tele und Makro in einem
Während Sony die Technik im Inneren umfassend modernisiert, bleibt das fest verbaute Objektiv erhalten.
Das ist allerdings keineswegs negativ gemeint. Das ZEISS Vario-Sonnar T* 24–600 mm F2.4–4 ist schließlich der wichtigste Grund, sich für eine RX10 zu entscheiden. Am kurzen Ende eignen sich die 24 mm für Landschaften, Architektur oder größere Gruppen. Die mittleren Brennweiten können für Reportagen, Alltag und Porträts verwendet werden. Am langen Ende stehen bis zu 600 mm zur Verfügung, womit sich auch weit entfernte Tiere, Sportler oder Details aufnehmen lassen.
Die maximale Blendenöffnung beginnt bei f/2.4 und reduziert sich über den Zoombereich bis auf f/4. Für ein Objektiv mit dieser Reichweite ist das weiterhin vergleichsweise lichtstark.
*35mm-ÄquivalentDas Objektiv ist nicht nur auf große Entfernungen ausgelegt. Die RX10 V bietet auch eine gute Leistung bei Nahaufnahmen. Am Weitwinkelende kann bereits ab ungefähr 3 cm vor der Frontlinse fokussiert werden. Die auf das Kleinbildformat umgerechnete maximale Vergrößerung liegt laut Sony bei ungefähr 0,42-fach am Weitwinkel- und 0,49-fach am Teleende.
Damit ersetzt die RX10 V zwar kein echtes Makroobjektiv, kann kleinere Tiere, Pflanzen, Blüten und andere Details aber vergleichsweise groß darstellen. Besonders die Kombination aus langer Brennweite und kurzer Fokusdistanz dürfte für Naturfotografen interessant sein.
Bild: Foto Koch
Bild: Foto KochMehr Möglichkeiten für Video
Auch im Videobereich wurde die RX10 V deutlich modernisiert. Die Kamera zeichnet jetzt 4K mit bis zu 60p ohne zusätzlichen Crop auf. Für Zeitlupen stehen außerdem 4K120p zur Verfügung, allerdings mit Crop.
Der spezielle HFR-Modus der RX10 IV ist nicht mehr vorhanden. Dafür ist 4K120p im normalen Video-Workflow meist einfacher einzusetzen und bietet eine deutlich höhere Auflösung als die früheren Super-Slow-Motion-Modi. Neu hinzugekommen ist außerdem eine Time-Lapse-Funktion.
Für einen fertigen Look ohne umfangreiches Color Grading steht S-Cinetone zur Verfügung und eine Tally-Leuchte auf der Vorderseite zeigt zudem deutlich sichtbar an, ob die Aufnahme läuft.

Überarbeitetes Gehäuse und modernere Bedienung
Das Grunddesign der RX10 V bleibt vertraut. Sony hat das Gehäuse und die Bedienung allerdings stärker an die aktuelle Alpha-Serie angepasst.
Der elektronische Sucher ist mit 0,5 Zoll etwas größer als beim Vorgänger und bietet eine Auflösung von rund 3,69 Millionen Bildpunkten. Auch das neigbare Display auf der Rückseite wurde höher aufgelöst. Wird die Kamera ins Hochformat gedreht, passt sich nun außerdem die Menüansicht an die vertikale Ausrichtung an.
Bei den Bedienelementen orientiert sich Sony ebenfalls an den aktuellen Alpha-Modellen. Neu hinzugekommen ist unter anderem eine separate AF-ON-Taste. Damit kann der Autofokus unabhängig vom Auslöser aktiviert werden.
Verzichten müssen Nutzer allerdings auf zwei Elemente des Vorgängers: Sony streicht sowohl den integrierten Blitz als auch das kleine Schulterdisplay auf der Oberseite. Der fehlende Blitz dürfte für viele Nutzer zu verschmerzen sein. Bei einer Kamera, die häufig mit langen Brennweiten eingesetzt wird, war dessen Reichweite ohnehin begrenzt.

Fazit
Es ist schön zu sehen, dass Sony die RX10-Serie nicht aufgegeben hat. Die RX10 IV war auch viele Jahre nach ihrer Vorstellung noch eine ungewöhnlich vielseitige Kamera. Ihr fehlte zuletzt weniger ein neues Grundkonzept als vielmehr die aktuelle Technik.
Genau hier setzt die RX10 V an. Das bewährte (umgerechnet) 24-600mm Objektiv bleibt erhalten, während Autofokus, Serienbildgeschwindigkeit, Videoausstattung, Sucher und Bedienung auf ein modernes Niveau gebracht werden.
Besonders der KI-gestützte Autofokus, die blackoutfreie Serienaufnahme mit 30 Bildern pro Sekunde und 4K60p ohne Crop machen aus der RX10 V eine deutlich leistungsfähigere Kamera. Gleichzeitig bleibt das ursprüngliche Versprechen der Serie bestehen: möglichst viele Motive fotografieren zu können, ohne ständig Objektive zu wechseln oder einen schweren Fotorucksack mitzunehmen.
Optisch ist die RX10 V vielleicht nicht die ästhetischste Kamera (da kommt's wahrscheinlich eher auf den persönlichen Geschmack an). Aber wie so häufig zählen am Ende die inneren Werte - und davon hat Sony eine ganze Menge in dieses eher unscheinbare Gehäuse gepackt.
Die RX10 lebt also weiter. Und für alle, die eine Kamera suchen, mit der sie vom weitläufigen Landschaftspanorama bis zum weit entfernten Vogel möglichst alles aufnehmen können, könnte sie interessanter sein denn je.
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