Aus dem Magazin Schnappschuss No. 53

 

Aviation Photography

Felix Gottwald vereint in seiner „Aviation Photography“ seine beiden großen Leidenschaften –Luftfahrt und Fotografie. Seit seinem ersten Flug 1992 dokumentiert er seine Faszination der Luftfahrt. Aus dieser Dokumentation entwickelte er seine Leidenschaft zur Fotografie. Neben seiner Webseite werden seine Bilder von namhafte Airlines und in verschiedenen Magazinen publiziert.


von Felix Gottwald

Schnappschuss 53 - Aviation Photography - Teaser

Daxue Shan-Gebirge auf der Luftstraße "L888"

Östlicher Ausläufer des Tian Shan, China

Der Traum vom Fliegen ist für viele Menschen der Inbegriff von Freiheit, wenn sie sich aufmachen neue Länder und Kontinente zu erkunden. Doch als Passagier ist diese Freiheit gar nicht so groß, muss man sich seinen Platz rund um die kleinen Fenster doch mit vielen anderen teilen.

Schon als Kind hat mich die Luftfahrt fasziniert. Häufige Flughafenbesuche zum Staunen über die großen Flugzeuge gehörten für mich zu jedem Programm in den Sommerferien. Mit meiner ersten (analogen) Kamera habe ich schon damals versucht meine Liebe zu diesen kraftvollen Maschinen festzuhalten – mit eher mäßigem Erfolg. Während meiner Schulung zum Piloten fing ich an, mir mehr Gedanken über Perspektiven und Einstellungen zu machen und experimentierte später immer mehr auf der Jagd nach neuen Motiven.

Cockpit "meiner" McDonnell Douglas MD-11

Der Antlantische Ozean, westlich vom Senegal

Teil der Anden, östlich von Santiago

Das Cockpit eines Flugzeuges ist ein faszinierender Ort – überall Schalter und Knöpfe, Anzeigen und Lichter. Hier findet sich eine fast endlose Zahl von Fotomotiven! Seit 2001 ist dieser Ort für Fluggäste leider nicht mehr erreichbar, höchstens am Boden nach der Landung, wenn alle schnell weg wollen und die ganze Stimmung und Aufregung, die in so einem Cockpit während des Fluges herrscht, verflogen ist. Genau deshalb versuche ich in meinen Bildern diese Spannung zu erhalten, um all denen die es nicht selbst sehen können, die Möglichkeit zu geben, diese großartigen Eindrücke zu genießen. Es gibt kaum etwas Schöneres als nachts eine der großen Metropolen unserer Welt anzufliegen, wenn die Lichter von Hong Kong, Kairo oder New York unter einem funkeln. Der Blick auf die Anden im Anflug auf Quito oder Santiago de Chile ist genauso spektakulär, wie die einsamen Gipfel des Himalaya oder die endlosen Wüsten Afrikas, die erstaunlicherweise extrem vielfältig sind. Und erst wenn man stundenlang über tiefblaue Ozeane geflogen ist ohne ein, Stück Land oder Anzeichen eines anderen Menschen zu sehen, versteht man wie gewaltig unser Planet ist.

Doch es ist gar nicht so einfach meine Sicht der Dinge festzuhalten. Im Cockpit ist es eng und mehrfach laminierte Scheiben erschweren das fotografieren. In 12 Kilometer Höhe hat die Außenwelt einen Blaustich und der geringste Dunst oder schon dünne Wolkenschichten lassen alles
unter einem in einem langweiligen Grauschleier erscheinen. Außerdem bin ich ja zum Arbeiten an Bord und kann daher nur so fotografieren, dass meine Arbeit und die Sicherheit nicht beeinträchtigt werden. Oft wackelt es in einem Flugzeug ganz ordentlich und bei Start und Landung vibriert alles. Da helfen nur eine hohe ISO und kurze Verschlusszeiten, am besten aber noch bei höherer Blendenzahl um alle Details des Cockpits scharf zu bekommen. Das ist manchmal eine fast unmögliche Aufgabe.

Ausläufer der Sahara

Schnappschuss 53 - Aviation Photography - Grönland

Sehr selten hat man auf Flügen über dem Nordatlantik die Gelegenheit einer wolkenfreien Sicht auf Grönland.

Mit einer aufwendigen Saugnapf- und Sicherungskonstruktion halte ich meine Nikon D800 im Cockpit in Position und steuere sie dabei teilweise per Fernauslöser. Alle Einstellungen muss ich allerdings im Voraus sorgfältig planen, denn wenn ich einmal angeschnallt sitze, muss die Kamera ohne weitere Eingaben funktionieren! Das klappt natürlich nicht immer so, wie ich mir das vorstelle, aber Fotografieren ist ja ein Lernprozess und nur aus Fehlern wird man klug. Von den Bildern die dabei entstehen, ist meist einiges an Ausschuss dabei – durch Vibrationen und Turbulenzen verwackeln Bilder, wir Piloten bewegen uns ungünstig und zerstören damit die Bildkomposition oder es ist doch wolkiger als vorhergesagt und man sieht von der Außenwelt gar nichts. Wenn dann aber doch ein tolles Bild dabei ist, hat es sich gelohnt!

Am liebsten fotografiere ich bei Nacht oder in den Stunden der Dämmerung. Tagsüber ist das Licht oft harsch und ungemütlich. Erst wenn die Sonne am Horizont steht, bekommt es eine weiche, einfühlsame Tönung. Nachts kann man dann wunderbar Akzente setzen und mit dem Kontrast zwischen hell und dunkel, zwischen Sehen und Nichtsehen spielen. Oft wirkt die Welt bei Nacht viel schöner, ruhiger und ausbalancierter. Das empfinde ich nicht nur im Flugzeug so, sondern auch am Boden in der „normalen“ Welt.

Wer versuchen möchte, ein Foto vom Cockpit zu schießen, fragt am besten nach einem Flug beim Aussteigen nach, ob er rein darf – bei deutschen Fluggesellschaften ist das in der Regel kein Problem! Meist freuen sich die Piloten über Besucher und geben gern eine kleine Tour durch das
Cockpit. Wenn man nicht gerade der Letzte im Flugzeug ist, hat man oft noch Zeit bis alle Anderen ausgestiegen sind und kann sich auch mal an einigen Details probieren– vor allem Schubhebel und das Steuerhorn, aber auch die verschiedenen Schalter und Displays sind lohnende Motive. Der Schlüssel zum Erfolg ist probieren und vor allem oft zu fliegen!


Felix Gottwald
felixgottwald.net

Felix Gottwald kurz vor dem Start


Schnappschuss No. 53 - Fernweh

Magazin "Schnappschuss"

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